30.07.2009 | Nordkurier
Aufklärung mit einem Bus namens Vanda
Den erhobenen Zeigefinger lässt Astrid Rix lieber stecken. Die Sozialarbeiterin weiß aus eigener Erfahrung nur zu gut, dass man damit bei Jugendlichen nichts erreicht. Und erreichen wollen sie und ihr Kollege Enrico Sperling von der Sozial-Diakonischen Jugendarbeit bald eine ganze Menge, wenn sie mit dem „Vanda-Mobil 2“ von Neubrandenburg aus im östlichen Mecklenburg-Vorpommern unterwegs sein werden. Ihre Mission: Präventionsarbeit an Schulen und Jugendeinrichtungen gegen Vandalismus leisten.
Am Dienstag hat Landesinnenminister Lorenz Caffier (CDU) das „Vanda-Mobil 2“ – einen ausgedienten und umgebauten Kleinbus der Landespolizei – in Neubrandenburg übergeben, nachdem das seit 2007 laufende Pilotprojekt „Vanda- Mobil 1“ in Schwerin und dem westlichen Landesteil sehr erfolgreiche Arbeit geleistet hat. Der Landesrat für Kriminalitätsvorbeugung übernimmt einen Großteil der Kosten des Projektes. Bis Ende 2010 bekommt die Sozial-Diakonische Jugendarbeit Neubrandenburg 31 300 Euro Fördermittel. „Vandalismus ist ein gesamtgesellschaftliches Problem“, unterstrich der Innenminister, „und wenn diese Präventionsmaßnahme hilft, Vandalismus zu verhindern, ist das Geld sehr gut angelegt.“
Manfred Dachner von der Neubrandenburger Polizeidirektion unterlegt dies mit Zahlen: „Jährlich gehen etwa 1000 Straftaten im Direktionsbereich auf Vandalismus zurück, allein in Neubrandenburg sind es 500. Der Sachschaden beträgt zirka 100 000 Euro.“ Allerdings habe sich die Situation bereits verbessert, so der PD-Chef. Es habe Jahre gegeben, da seien allein 1000 Straftaten wegen Graffiti registriert worden.
Das Vanda-Mobil 2 ist nicht nur unkonventionell im Graffiti-Stil lackiert. Auch die Methoden der Sozialarbeiter sind unkonventionell: „Wir platzieren zum Beispiel einen Fahrkartenautomaten mit einer ,Rauchbombe‘ auf dem Schulhof, kommen auf den Hof gebraust, fragen provokant, wer das war und spielen ganze Fälle bis zu einer Verurteilung durch“, so Astrid Rix. Die wenigsten Jugendlichen wüssten, dass eine Einsatzstunde von Polizei und Feuerwehr 1500 Euro kostet. Oder, dass man 30 Jahre lang für Schäden belangt werden kann, die durch Vandalismus entstanden sind. Oder, dass auch bestraft wird, wer dabei Schmiere steht. „Da werden die Augen der Kids dann immer größer“, berichtet die Sozialarbeiterin. www.vanda-mobil.de
Autor:Sebastian Haerter