30.05.2007 | SVZ
Neue Strategie gegen Vandalismus: Von Herbst an rollt eine mobile Ausstellung zu Schulen und Jugendklubs in ganz MV
Millionenschäden entstehen öffentlichen und privaten Kassen jährlich durch Vandalismus. Mit einem vom Land finanzierten Pilotprojekt will die Evangelische Jugend jetzt die meist jugendlichen Täter nachdenklich machen: Im Herbst startet das „Vanda-Mobil“ – ein absichtlich beschädigter Bus – durch das Bundesland, damit das Thema auch an sonst nur schwer erreichbaren Schulen und in Jugendklubs diskutiert werden kann.
Aufgeschlitzte Sitzpolster in Bussen, zerborstene Scheiben an Haltestellen und illegale Graffiti an Häusern sorgen auch in MV für Ärger, gehören aber längst zum traurigen Alltag. „Vandalismus ist zu einer Geißel des öffentlichen Lebens geworden“, sagt Innenminister Lorenz Caffier. Der Schaden für private und öffentliche Kassen gehe jährlich in die Millionen. „Ein Schaden, den letztlich alle Bürger tragen“, so Caffier. Daher fördert das Innenministerium jetzt ein deutschlandweit beispielsloses Präventionsprojekt, mit dem gegengesteuert werden soll: Im Auftrag des Landesrates für Kriminalitätsvorbeugung wird die Evangelische Jugend einen Bus als mobile Ausstellung gegen Vandalismus durch ganz MV schicken.
Vom Herbst an soll das „Vanda-Mobil“ den Kommunen, Schulen und Jugendeinrichtungen für eigene Projekttage zur Verfügung stehen. „Zwei Pädagogen werden den Bus begleiten und die Aktionen mit örtlichen Verantwortlichen gestalten“, sagt Jürgen Wörenkämper, Leiter des Arbeitskreises Massenkriminalität beim Landespräventionsrat. Eine Internetseite als Informations-Plattform sowie als Möglichkeit zur Anforderung des „Vanda-Mobils“ werde vorbereitet, so Thomas Ruppenthal von der Evangelischen Jugend.
Neu an dem Projekt ist vor allem sein flexibler Charakter. „Der Bus garantiert, dass auch Schulen und Jugendklubs in abgelegenen Orten von dem Vorhaben profitieren, weil sie direkt aufgesucht werden können“, sagt Projektleiterin Marieke Sobiech, die das Ausstellungskonzept gemeinsam mit dem Präventionsrat entwickelt hat. Anfahrten zu Veranstaltungen selbst in nahe gelegene Städte seien für junge Leute aus den Landkreisen oftmals aus zeitlichen und finanziellen Gründen nicht möglich, so Sobiech. Sie und der Schweriner Graffiti-Künstler Tino Bittner diskutieren zurzeit mit Jugendlichen aus der Landeshauptstadt, wie der von der Landespolizei ausrangierte Bus gestaltet werden könnte. „Der Bus erhält schon dadurch Aufmerksamkeit, weil er verbeult ist, aufgeschlitzte Sitze beherbergt, eine Scheibe und die Karosserie zerkratzt sind“, sagt Sobiech. Jeder dieser Schäden soll mit einem Preisschild gekennzeichnet sein, um den Schülern klar zu machen, welche Kosten durch Vandalismus entstehen. Über ein Abspielgerät können sich Projekt-Teilnehmer ein Interview mit Jugendlichen anhören, die ihre Erfahrungen mit Gewalt gegen Sachen und den daraus folgenden Konsequenzen schildern.
Angedacht sind auch Geräte zum Aggressionsabbau wie einen Hau-den-Lukas oder Sandsäcke. Eine „Nachdenk-Karte“, die an einem Schlüsselband um den Hals gehängt werden kann, um Jugendliche vor gewalttätigen Aktionen kurz an mögliche Folgen ihrer Tat zu erinnern, sei ebenfalls denkbar, so Projektbetreuerin Marieke Sobiech.